Die achte Fotoproduktion von Serie-X e.V. fand im Saarland, genauer in Völklingen statt. Ein stillgelegtes Stahlwerk, das in die Liste der UNESCO Weltkulturerbstätten aufgenommen wurde, war die ideale Kulisse für die Umsetzung des Shootings.
1873 gründet der Eisenhütteningenieur Julius Bruch die Eisenhütte bei Saarbrücken, Aktiengesellschaft für Eisenindustrie. Diese wurde aber im Jahre 1879 nach nur sechs Jahren wieder geschlossen. Nachdem ein Saarbrückener Kaufmann die stillgelegte Hütte im Jahre 1881 erwarb, begann der rasche Aufstieg der Hütte zum größten Stahlträgerproduzenten im Deutschen Reich.
Die Völklinger Hütte gab den Tagesablauf der 17.145 Arbeiter, die zur Blütezeit des Stahlwerkes beschäftigt waren, vor. 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag verlangten die insgesamt sechs Hochöfen nach "Nahrung" um den heiß begehrten Stahl zu produzieren. Am 4. Juli 1986 floss das letzte Mal Roheisen aus Hochofen 6, viele Arbeiter fielen in die Arbeitslosigkeit.
Im Jahre 1994 wurde die Völklinger Hütte von der UNESCO in die Liste der Weltkulturstätten aufgenommen, eine ideale Location, um mit Model Uwe ein Zeichen gegen Kindesmissbrauch zu setzen.
Zu Beginn einer jeden Fotoproduktion steht die Suche nach der besten Kulisse für das Shooting und davon gab es viele.
Alle Mitglieder von Serie-X e.V., die den Weg in das saarländische Völklingen angetreten hatten, waren von den kolossalen Ausmaßen des Weltkulturerbes Völklinger Hütte überwältigt.
Überall auf dem 600.000 m² großen, ehemaligen Firmengelände der Völklinger Hütte gab es Motive, die geradezu nach einer fotografischen Aufnahme schrien.
Sei es der 1897 erbaute Kohlenturm aus Stahlblech, zugleich ältestes Bauwerk der Völklinger Hütte, oder der erste und zugleich größte Hochofen des Saarreviers mit einem Fassungsvermögen von 200 m³ und einer Höhe von 32 Metern - zwei Meter mehr als der Koloss von Rhodos.


Sicher geleitet von Pressesprecher Hanns-Wilhelm Grobe und Projektleiter Hendrik Kersten führte die Motivsuche zum höchsten Punkt der Sinteranlage, die einen freien Blick auf die Hochofenanlage des Weltkulturerbes Völklinger Hütte bot.
Sicherheit stand an erster Stelle, denn der Teil der Hütte, den das Produktionsteam durchschritt, war für den Publikumsverkehr nicht freigegeben. Dadurch konnte das Serie-X Team Teile der ehemaligen Eisenhütte betreten, an denen bisher noch kein anderes Foto-Team stand.
Wer hoch hinaus will, sollte auch schwindelfrei sein. Ein Handicap, mit dem einige der anwesenden Vertreter von Serie-X e.V. zu kämpfen hatten. Zwar gab es überall ein Geländer, die für sicheren Halt sorgten, jedoch bestand der Bodenbelag aus kunstvoll geschmiedeten Gitterplatten, die eine freie Sicht auf die darunter liegenden Etagen oder den Hof boten.
Alle bisherigen, wie auch die kommenden Fotoproduktionen von Serie-X e.V., sind im Vorfeld penibel geplant. So auch die Produktion auf dem Gelände des Weltkulturerbes Völklinger Hütte.
Eine gründliche Begehung der Location, an der die Fotoproduktion stattfinden soll, ist dennoch unerlässlich. Zeigt sich doch meist erst vor Ort, wo sich die Produktion am besten umsetzen lässt.
Dass hier der Fotograf das beste "Auge" für die Umsetzung des Kalenderbildes hat, ist innerhalb des Produktions-Teams von Serie-X e.V. natürlich klar.
So gab also Fotograf Wilfried Adam den Anwesenden letzte Anweisungen, damit das danach folgende Shooting auch reibungslos ablaufen konnte.

Viele Treppenstufen führen auf das Dach der größten Sinteranlage der Welt. Der Weg ging vorbei an alten, aber gut erhaltenen Maschinen, die von einer dicken Staub- und Rußschicht bedeckt waren. Rost war dabei der ständige Begleiter.
Auf dem Dach der Sinteranlage angekommen, teilte sich das Produktionsteam in drei Gruppen. Die erste Gruppe bestand aus Anatol Tulga und Reiner Jeckel. Die zweite Gruppe bestand aus Bernd Köhle und Model Uwe, welche sich auf einem gegenüberliegenden Dach positionierten. Die dritte Gruppe wurde von Fotograf Wilfried Adam, Fotoreporter Jörg Bächle und dem Pressesprecher des Weltkulturerbes Völklinger Hütte, Hanns-Wilhelm Grobe vertreten.
Auf dem Bild ist zu sehen, wie Fotograf Wilfried Adam das Model via Sprechfunk in Szene setzte.
Noch auf dem Dach der Sinteranlage des Weltkulturerbes Völklinger Hütte wurden die Aufnahmen einer kritischen Begutachtung unterzogen.
Hatte das Licht der schwachen Mittagssonne die Kulisse des Weltkulturerbes richtig erstrahlen lassen, entsprach das Ergebnis den Vorstellungen von Initiator Bernd Köhle?
Als die Sonne ein weiteres Mal durch die mittlerweile recht dichte Wolkendecke brach, entschloss sich das Produktions-Team von Serie-X zu einem zweiten Shooting auf dem Dach der Sinteranlage. Nun passte alles, die Sonne ließ die Hochöfen im Hintergrund regelrecht erstrahlen, das warme Licht gab der Kulisse den richtigen Flair den sich alle Anwesenden erhofft hatten.
Die Wahl des Daches der Sinteranlage, war genau richtig.
In dieser Sinteranlage wurde ein Gemisch aus Feinerzen, Kreislaufstoffen, Brennstoff (Koksgrus), Kalksandstein und Sintereigenabsiebung erzeugt, welches mit Wasser vermischt, auf ein Endlosrostband geschichtet und von einer Gasflamme gezündet wurde. Nun lief das gezündete Gemisch auf dem Endlosrostband über die riesigen Saugzuggebläse, welche die Brennfront durch das Gemisch zogen, so dass der Sinterkuchen am Ende beim Abwurf vollständig durchgebrannt war. Nach dem Brechen und Abkühlen des Sinterkuchens konnte der gewonnene Feinsinter den Hochöfen erneut zugeführt werden. Recycling in seiner reinsten Form.


Wie es sich gehört wurde ein Gruppenbild der anwesenden Personen auf dem Dach der Sinteranlage, mit Blick auf die Hochöfen gemacht.
Auf dem Bild von links sind zu sehen:
Fotoreporter Jörg Bächle, Model Uwe, Initiator Bernd Köhle, Fotograf Wilfried Adam und der Pressesprecher des Weltkulturerbes Völklinger Hütte Hanns-Wilhelm Grobe. Nicht auf dem Bild zu sehen sind Anatol Tulga (2. Vorsitzender Serie-X e.V.) und Reiner Jeckel (chauffierte das Serie-X Team).
Zum Abschluss des Shootings bot Herr Grobe dem Serie-X Team an, eine von ihm geleitete Führung durch die Sehenswürdigkeiten des Weltkulturerbes Völklinger Hütte zu machen.
Keine Frage, dass dieses Angebot von den Anwesenden gerne und dankend angenommen wurde.
In der Gebläsehalle der Völklinger Hütte wurde, von sogenannten Gebläsemaschinen, bis zu 300.000 m³ aufgeheizte Luft für die Hochöfen produziert. Diese aufgeheizte Luft wurde in die Hochöfen geblasen um dadurch den Verbrennungsvorgang zu unterstützen.
Die Gebläsehalle des Weltkulturerbes Völklinger Hütte, in der die fast 100 Jahre alten und weltweit einmaligen Gebläsemaschinen stehen, bildet einen faszinierenden Ort für Ausstellungen oder Veranstaltungen.
Um das Arbeitsumfeld der seinerzeit in der Gebläsehalle beschäftigten Arbeiter so realistisch wie möglich nachzustellen, wird die Gebläsehalle mit authentischen Geräuschen beschallt, die die Maschinen im Arbeitszustand simulieren. Ein weiteres Highlight sind die nachgestellten Vibrationen, die seinerzeit von den Gebläsemaschinen erzeugt wurden. Nur die ehemalige Lautstärke von über 100 db (A) wurde nicht simuliert.


Im Sommer 2007 war das Weltkulturerbe Völklinger Hütte Schauplatz der Dreharbeiten für den Film Die Wilden Kerle 5, der zu großen Teilen im ehemaligen Eisenwerk gedreht wurde.
Drei original Filmrequisiten aus dem Film sind in der Möllerhalle der Völklinger Hütte ausgestellt. Neben der mobilen Kommando-Zentrale mit Vampirabwehr, bestehend aus Knoblauch, Kreuze und Jesus- bzw. Marienbilder, sind ein Wilde-Kerle-Bike und Tom Tom, der Roboter des rätselhaften Steinmannes zu sehen.
Selbstverständlich sind die wetterfest geschützten Requisiten ein Publikumsmagnet, der vornehmlich von männlichen Besuchern im Alter von 5 bis 15 Jahre besucht wird.
In der ehemaligen Möllerhalle, wo das Material zum Beschicken der Hochöfen gelagert und in die Hängebahnwägen verladen wurde, finden regelmäßig Ausstellungen zeitgenössischer Künstler statt.
Während des Aufenthalts des Serie-X Produktions-Teams war die Ausstellung Weltereignisse. Meisterwerke der Reportagefotografie von Associated Press zu sehen, die Aufnahmen der besten Fotografen und Pulitzer-Preisträgern von Associated Press (AP) zeigt.
Bis zum 4. April 2009 kann die Ausstellung täglich besucht werden.
Es war schon beeindruckend, wie Vergangenheit und Gegenwart in der Möllerhalle verbunden wurde.
Welche Ausmaße das ehemalige Eisenwerk Völklinger Hütte hatte, konnte durch einen Rundgang herausgefunden werden.
Dieser begann beim Haupteingang unterhalb der Sinteranlage. Der Weg ging weiter zur Erzhalle, in der riesige Erzmengen lagerten, danach kam die Möllerhalle, von dort führte der Rundgang zur Gichtbühne, in der die Hängebahnwagen befüllt wurden. Von der Aussichtsplattform in einer Höhe von 45 Metern hatten die Besucher einen wunderbaren Blick über das Gelände der ehemaligen Eisenhütte.
Weiter ging es in die Kokerei, in der bei 1300 °C Kohle in Koks umgewandelt wurde. Hier war aufgrund der Hitze und des beißenden Qualmes der härteste Arbeitsplatz in der Eisenhütte.
Nächste Station war das Kohlegleis mit Blick auf die Hochöfen und den Erzschrägaufzug. Der Rundgang endete in der Gebläsehalle mit ihren riesigen Gebläsemaschinen.


Auf dem linken Bild ist die Gichtbühne mit zugehörigem Hochofen zu sehen. Hier ereignete sich am 16. Januar 1928 das schwerste Hütten-Unglück des heutigen Weltkulturerbes Völklinger Hütte:
Am Morgen jenes Tages kam es an der Hochofenanlage 5 zu einer Kohlenstaubexplosion, deren Wucht so groß war, dass die Schachtmauerung mit einer Dicke von 80 cm im oberen Teil, fünf Meter unterhalb der heutigen Terrasse, zerstört wurde.
Die bis zu 25 Kilogramm schweren Brocken flogen teils bis zu 25 Meter weit in das Gelände der Hütte, gleichzeitig ergoss sich eine riesige, glühend heiße Wolke aus Erz und Kohlenstaub über die anwesenden Arbeiter. Zwei Arbeiter waren sofort tot, weitere elf von 18 Schwerverletzten starben in den folgenden Tagen an inneren Verbrennungen, da sie den heißen Staub eingeatmet hatten.
Wie kam es zu dem Unglück?
Um die Kosten für die Beimischung des teuren Ruhrkokses zu senken, wurde der Hochofen ausschließlich mit Saarkoks betrieben. Am 5. Januar ging bereits die Zahl der Gichten, wie auch die Roheisengewinnung zurück, was auf ein allmähliches Verstopfen des Hochofens hinwies. Aus diesem Grund fuhr man die Beschickung des Ofens zurück, dennoch begann der Koks an der Gicht zu glühen, was so stark war, dass das Zentralrohr und der Gichtverschluss rotglühend wurden.
Am 16. Januar um 5.10 Uhr explodierte der Hochofen schließlich!
Eine unvorstellbare Farbenpracht bietet das Weltkulturerbe Völklinger Hütte seinen Besuchern, die sich aufmachen um auf die Aussichtsplattform in einer Höhe von 45 Metern zu kommen.
Hier, oberhalb der Gichtbühne und des Hochofens, konnte das Produktions-Team von Serie-X, ihre Blicke über das Gelände des Weltkulturerbes und in die Weite des Saarlandes schweifen lassen. Allerdings hatten die Besucher aus dem schwäbischen Unterensingen auch Glück, die Sonne brachte die Farbenpracht erst richtig zur Geltung.
Der größte Teil der ehemaligen Eisenhütte besteht aus Eisen und Stahl, welcher der Witterung schutzlos ausgeliefert ist. Aber genau jene Verwitterung macht dieses Weltkulturerbe so einzigartig. Die Maschinen, Gebäude und Anlagen, die von der Zeit gezeichnet sind, sorgen für Kontraste, die an keinem anderen Bauwerk der Welt in dieser Form zu sehen sind.


Was wäre ein Bericht über ein abgeschlossenes Shooting, wenn Initiator Bernd Köhle nicht die Zahl der Produktion mit seinen Fingern anzeigen würde. Hier, auf der Aussichtsplattform, geschützt mit einem Helm und einem zufriedenem Lächeln im Gesicht, zeigte er an, dass Produktion acht beendet ist.
Der Verein Serie-X e.V. war auch dieses Mal erneut auf die Unterstützung von Firmen angewiesen, um die Produktion kostenneutral abwickeln zu können. Aus diesem Grund bedanken wir uns bei:
Firma Wolfer & Goebel Bau und Projekt GmbH für die Bereitstellung eines Fahrzeugs zum Transport der Ausrüstung und des Serie-X Teams.
Weltkulturerbe Völklinger Hütte, für die sofortige Zusage zu einer Fotoproduktion auf dem Gelände des ehemaligen Eisenhüttenwerks sowie für die kompetente Betreuung.
Text: Tulga | Fotos: Bächle