Der Flughafen Berlin-Tempelhof und ein Rosinenbomber waren die Hauptdarsteller der Sechsten von insgesamt 12 Fotoproduktionen zum Kalenderprojekt "Serie-X, Väter setzen Zeichen gegen den Missbrauch von Kindern", der im September 2009 erscheinen wird.
Der Flughafen Berlin-Tempelhof hat schon einiges an Geschichte geschrieben. Erbaut auf dem Tempelhofer Feld, bis in die 1930er Jahre in Konkurrenz zu Paris, Amsterdam und London wurde 1934 nach den Plänen von Architekt Ernst Sagebiel erweitert um die geplanten sechs Millionen Passagiere abzufertigen - 1934 waren es 200.000!
Der Flughafen Berlin-Tempelhof wurde laufend erweitert, selbst während der Kriegswirren zwischen 1939 und 1945 wurde daran noch gebaut. Das Flugfeld, ein ovaler Rasenplatz mit ca. zwei Kilometer Durchmesser, ermöglichte es den seinerzeit noch leichten Flugzeugen gegen den hier herrschenden Wind zu starten und zu landen.
Leider wird der Flugbetrieb an diesem historischen Ort, der soviel Leid, aber auch Glück gesehen hat, am 31. Oktober 2008 eingestellt. Ein Grund für das Model Armin, hier sein Zeichen gegen Kindesmissbrauch zu setzen.
In der Zeit vom 23. Juni 1948 bis zum 12. Mai 1949 wurde West-Berlin von den Westalliierten aus der Luft versorgt. Grund dieser Luftbrücke war die Berlin-Blockade der sowjetischen Besatzung.
Anfang Juli 1948 wurden jeden Tag ca. 2000 Tonnen Fracht in West-Berlin eingeflogen. Am 16. April 1949 wurde der Rekord mit 12.849 Tonnen Fracht und 1.398 Flügen in 24 Stunden aufgestellt. Jedes Flugzeug hatte nur einen Landeversuch, misslang dieser, so musste es an seinen Ausgangspunkt zurückfliegen. Nur so war es möglich, den von General William H. Tunner optimierten Flugplan, mit Landungen im Abstand von drei Minuten durchzuführen.
Nicht jede der rund 278.000 Landungen verlief glücklich, so verloren 41 Briten, 31 US-Amerikaner und mindestens 6 Deutsche ihr Leben. Zahlreiche Einwohner West-Berlins verstarben während der Blockade an Mangelernährung und Krankheiten, darunter besonders viele an Tuberkulose.
Um den Opfern der Luftbrücke zu gedenken, steht seit 1951 das von Eduard Ludwig geschaffene Luftbrückendenkmal vor dem Flughafen Berlin-Tempelhof.
Später wurden baugleiche Denkmäler am Flughafen Frankfurt und etwas kleiner beim Heeresflugplatz Celle errichtet. Die drei "Krallen" stehen für die drei Luftkorridore, am Sockel eingraviert steht "Sie gaben ihr Leben für die Freiheit Berlins im Dienste der Luftbrücke 1948/1949", mit Dienstgrad und Namen aller Verstorbenen.


Der Rosinenbomber, der von der Air-Service Berlin erhalten und betrieben wird, ist der Einzige von ca. 14 Rosinenbombern weltweit, die für die Personenbeförderung zugelassen sind.
Die Douglas C-47 Skytrain erhielt ihren Namen "Rosinenbomber" dadurch, weil amerikanische Piloten beim Landeanflug Schokolade mit einer Rosine an kleine, selbst gebastelte Fallschirme banden und diese aus den Fenstern warfen, um den wartenden Kindern eine Freude zu machen. Die Idee wird dem Piloten Gail Halvorsen zugerechnet, der als erster damit anfing die an Taschentücher gebundene Schokolade abzuwerfen. Eine Idee, die schnell von den anderen Piloten übernommen wurde.
Für das Produktions-Team von Serie-X e.V. war dies das Sinnbild für Hilfe. War es damals Schokolade, so soll es diesmal das Geld sein, das durch den Verkauf des Kalenders den Kindern zu Gute kommt.
Extra für die Produktion von Serie-X e.V. wurde die Douglas-C-47-Skytrain, der Rosinenbomber, auf das Rollfeld des Flughafens Berlin-Tempelhof geschoben.
Langsam, aber sicher fand die Douglas-C-47-Skytrain ihren Standort auf dem Rollfeld vor dem Hangar. Im Hintergrund der historische Flughafen Berlin-Tempelhof, auf dem im Jahre 1909 bereits Orville Wright landete!
Das bogenförmige Flughafengebäude, das eine Länge von ca. 1,2 Kilometern hat, ist damit das zweit längste Gebäude der Welt.
Eben diese Daten waren mit Gründe, das den Flughafen Berlin-Tempelhof zu einem Wunschmotiv von Serie-X e.V. zu machen. Nach dem höchsten Berg (Zugspitze) und dem größten Stadion (Signal-Iduna-Park) Deutschlands eine logische Folge.

Das Flugzeug ist positioniert, es können erste Aufnahmen gemacht werden. Schnell wird das Stativ aufgebaut, die Beleuchtung ausgerichtet und alle Gerätschaften wie Laptop und Kamera angeschlossen, die den weiten Weg von Unterensingen nach Berlin gemacht hatten.
Schnell zeichnet sich ab, dass trotz des guten Wetters, das dem Produktions-Team zu Verfügung stand, Eile geboten war um das Model, das Flugzeug und das Flughafengebäude entsprechend in Szene zu setzen.
Die einbrechende Dämmerung und die darauf folgende Dunkelheit hätten die Produktion erheblich erschweren können.
Trotz dieses relativ engen Zeitfensters von etwa zwei Stunden arbeitet das Produktions-Team von Serie-X e.V. ruhig, aber konzentriert an der Umsetzung für dieses Kalenderbild.
Dank der Hilfe eines Mitarbeiters von Airservice Berlin konnte der Rosinenbomber ins rechte Licht gerückt werden. Im Hintergrund war Fotograf Wilfried Adam damit beschäftigt die Belichtung zu messen um später eine optimale Belichtung zu erreichen.
Das schwierige war, dass das ehemalige Transportflugzeug genau vor dem Gebäude des Flughafens und der Leuchtschrift mit der Aufschrift "Berlin-Tempelhof" in Position gebracht werden musste.
Zudem drängte das immer schwächer werdende Licht dazu, endlich mit den Aufnahmen für das Kalenderbild "Flughafen" zu beginnen, da der auffrischende Wind eine längere Belichtungszeit aufgrund der Dämmerung erschweren würde.


Die ersten Probeaufnahmen waren gemacht, dazu wurde das Stativ, das bis zu 12 Metern ausgefahren werden kann, mehrfach hinaufgepumpt und wieder herabgelassen werden. Danach wurden die Aufnahmen auf dem Laptop kontrolliert, die Einstellungen entsprechend geändert und das Stativ wieder auf die vorbestimmte Höhe ausgefahren.
Auch wenn es umständlich und aufwändig erscheinen mag, dieser Aufwand war deshalb nötig, da sich aus einer Höhe von etwa 12 Metern ein komplett neuer Blickwinkel auf die abzulichtenden Objekte ergibt.
Aber eben dieser Blickwinkel aus der Vogelperspektive macht diese Bilder so einzigartig und interessant.
Auf dem Bild sind folgende Personen zu sehen:
Reiner Engelhard, Model Armin, Anatol Tulga und Wilfried Adam.
Wie gesagt, das Schwierigste daran war, die beste Position des Rosinenbombers vor dem Gebäude des Flughafens Berlin-Tempelhof zu finden.
Hierzu wurde die DC-3 (so der eigentliche Name des Flugzeugs) um ein paar Meter verschoben. Initiator Bernd Köhle kontrollierte den Vorgang, um den Fahrer bei seiner Arbeit zu unterstützen.
Es brauchte nun einmal mehrere Versuche um ein optimales Ergebnis zu erreichen. Nachdem ein paar Probeaufnahmen von der neuen "Komposition" gemacht wurden, wurde klar, dass die Zusammenstellung passte und mit den eigentlichen Aufnahmen begonnen werden konnte.


Mit Einbruch der Dämmerung wurde die Leuchtschrift des Flughafens Berlin-Tempelhof angeschaltet. Welch ein wunderbarer Blick vom Standort der Fotoproduktion, über das Rollfeld Richtung Hangar und Abfertigungshalle.
Der abendliche Himmel sorgte mit seinem Farbenspiel für eine passende Untermalung dieses Blickwinkels auf das Gebäude des Flughafens.
Das linke Bild zeigt den Blickwinkel, den unser Beleuchter Reiner Engelhard an der Produktionsstätte während den Aufnahmen hatte.
Die letzten Aufnahmen waren auf das Laptop überspielt und wurden kritisch begutachtet. Auch Frau Zehnpfennig hatte Gelegenheit ihre Meinung zu den Aufnahmen abzugeben.
Schnell war aber klar, welche der vielen Aufnahmen die sein würde, welche im Kalender von Serie-X erscheinen würde.
Die Wahl fiel einstimmig auf die Aufnahme, welche an erster Stelle dieses Berichtes zu sehen ist.
Die richtige Mischung war getroffen, der bewölkte Himmel, der das letzte Licht des Tages zeigt, das Flugzeug, welches im richtigen Winkel zum Gebäude des Flughafens Berlin-Tempelhof steht, die Beleuchtung, welche mit ihrem goldenen Licht das Model und das Flugzeug ausleuchtet. Es passte einfach alles zusammen, um die Stimmung vor diesem geschichtsträchtigen Gebäude wieder zu geben.


Nachdem die Ausrüstung wieder in den Fahrzeugen verstaut und der Rosinenbomber wieder im Hangar abgestellt war, bot sich die Gelegenheit die Douglas-C-47-Skytrain von innen zu betrachten.
Keine Frage, dass dies von den Mitarbeitern des Serie-X Produktionsteams gerne in Anspruch genommen wurde.
Auf dem Bild sind Bernd Köhle und Model Armin zu sehen. Beiden stand die Freude ins Gesicht geschrieben auf den Sitzen der Douglas DC-3 Platz nehmen zu dürfen.
Es sind schon ein paar Schalter, Knöpfe und Instrumente, die von den zwei Piloten, die das historische Flugzeug steuern, bedient und überwacht werden müssen.
Der eigentliche Name des Flugzeuges lautet Douglas DC-3 und ist ein Produkt des US-Amerikanischen Herstellers "Douglas Aircraft Company" aus Santa Monica. Da das Flugzeug vom US-Amerikanischen Militär eingesetzt wurde, änderte man die Bezeichnung auf Douglas-C-47-Skytrain !
Seinen ersten Flugtag hatte die Douglas DC-3 am 17. Dezember 1935. Seit dieser Zeit wurde es als Transport-, Schlepp-, Sanitäts- und Passagierflugzeug eingesetzt.
Die Robustheit-, Sicherheit- und Wirtschaftlichkeit, die dieses Flugzeug bot, war unter den Kunden sehr beliebt.
Kein Wunder also, dass nach Kriegsende 1945 viele Maschinen dieses Typs an zivile Luftfahrtunternehmen verkauft wurden.
Auf dieser Aufnahme sind die beiden Mitarbeiter von Airservice Berlin zu sehen, die uns während der Fotoproduktion auf dem Gelände des Flughafens Berlin-Tempelhof begleiteten.
Susanne Zehnpfennig stand uns mit der Beantwortung unserer Fragen, die den Rosinenbomber oder den Flughafen betrafen zur Seite. Frank Wagner beförderte die Douglas-C-47-Skytrain auf das Rollfeld und half uns tatkräftig bei der Motivsuche und dem Ausrichten des Flugzeuges.
Alles in allem war es eine angenehme und unterhaltsame Zusammenarbeit, die die Zeit auf dem Gelände des Flughafens Berlin-Tempelhof wie im "Fluge" vergehen ließ.


Wie auch schon bei den Produktionen die vor dem Shooting in Berlin-Tempelhof stattgefunden haben, zeigte Bernd Köhle auch nach Beendigung dieses Shootings die Nummer der Produktion mit seinen Fingern an.
Zufrieden steht er vor dem Rosinenbomber, der für Berlin seinerzeit soviel bedeutete und für den Verein Serie-X e.V. dadurch ein Symbol der Unterstützung und Hilfe für in Not geratene Menschen darstellt.
Wir bedanken uns bei folgenden Personen und Firmen für die Unterstützung des Shootings auf dem Flughafengelände von Berlin-Tempelhof:
Der Air-Service Berlin, die uns ermöglichte das Shooting kostenfrei umzusetzen.
Bei Susanne Zehnpfennig und Frank Wagner für die Begleitung während der Fotoproduktion.
Bei den Berliner Flughäfen, die für uns die erforderlichen Genehmigungen und den Termin organisierten.
Text: Tulga | Fotos: Tulga