Serie-X, das zweite Zeichen ist gesetzt

Im Signal-Iduna-Park Dortmund, der Heimat des BVB, wurde ein zweites Zeichen von Serie-X gesetzt. In den Hauptrollen: das Stadion von Borussia Dortmund, der Wind und ein Familienvater – Reiner.

Das Kalenderbild
Foto: Wilfried Adam

Dortmund – wir fahren nach Dortmund

Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin. Die Fans der Borussia skandierten es nach dem Halbfinale gegen Jena im DFB-Pokal. Auch wenn es für Dortmunder im Finale gegen Bayern nichts zu erben gab, für den UEFA-Pokal haben sie sich qualifiziert. Gratulation. Ein Verein, der einen Namen hat, hinter dem eine ganze Stadt steht, mitten im Pott.

Ein Verein, der eine Geschichte hat: 1909 gegründet als Ballspielverein Borussia 09 e.V. Neben sechs deutschen Meisterschaften und zwei DFB-Pokalsiegen ist der BVB auch der erste deutsche Club in der Historie der UEFA-Wettbewerbe, der einen Europokal gewann: den Europapokal der Pokalsieger 1965/66. Das Finale bestritten Borussia Dortmund und der FC Liverpool im Hampden Park von Glasgow am 5. Mai. Dortmund gewann das Spiel mit 2:1 nach Verlängerung. 31 Jahre später: Im erfolgreichsten Jahr der Vereinsgeschichte gewann der BVB die Champions League gegen den Titelverteidiger Juventus Turin. Das Finale fand am 28. Mai 1997 in München statt. Danach konnte auch der Weltpokal nach Dortmund geholt werden. Dortmund ist ein großer Verein, der viele Mitglieder hat. 11 Jahre später: Serie-X ist ein junger Verein, der hoffentlich bald viele Mitglieder hat. Gegründet im Februar, läuft er nun in Dortmund ein – um ein Zeichen zu setzen.

481 Kilometer bis zum Ziel

Dortmund, Dortmund, wir fahren nach Dortmund. Nun, reimen tut sich das nicht, aber die Vorfreude war bei uns genau so groß, als wir von den Stadionbetreibern die Zusage für das Shooting bekamen. Wie für die BVB´ler, als sie nach Berlin durften. Das Wohnzimmer des BVB ist ein Großes, das größte der Nation: 81.000 Zuschauer verfolgen die Heimspiele der Borussen im Signal Iduna Park, die Stimmung ist gewaltig, Gänsehaut vorprogrammiert.

Nicht so am Freitagmorgen gegen 11 Uhr. Geradezu andächtig steht das Team von Serie-X hinter dem Tor und genießt die Stille eines Stadions, welches erahnen lässt, welche Sprachgesänge hier herrschen, wenn der BVB ein Tor schießt. Nun, am heutigen Freitag tut er das auch gegen später, aber in Frankfurt. Tief schlafen die Borussen noch, als sich der Sprinter samt Model Reiner, Fotograf Wilfried Adam, Webmaster Anatol Tulga, Vorsitzender Bernd Köhle und Pressemann Jörg Bächle auf den Weg in den Pott macht. Es ist fünf Uhr, das Wetter unfreundlich und nass, die Vorhersage stimmt eher pessimistisch. Wir fahren nach Dortmund! 481 Kilometer später ist das Ziel erreicht, ein ganzes Fußballspiel zu früh. Aber besser zu früh als zu spät.

Der Signal-Iduna-Park
Motivwahl

Frühstück in der Kneipe

Dortmund ist keine schöne Stadt, nein nicht wirklich. Und frühstücken im Freien, so wie man es aus Kirchheim oder Düsseldorf kennt, gibt es hier nicht. Frühstück in der Kneipe oder deren „Terrasse“, überdacht im runden Zentrum einer Einkaufspassage. Hier steppt der Westfale, bei Heimspielen der Borussia, bei der WM 2006, Reliquien aus vergangenen WM-Zeiten zeugen von einer „Fussballphilität“, zu der man sich hier im Pott offen bekennt. Ja selbst am Rathhausvorplatz ist alles mit Fahnen des BVB beflaggt. Hier ist Party am Abend, bei einem Bier, das Rauchverbot tritt hier erst im Sommer in Kraft. Frühstück in der Kneipe ist rustikal, mit Speck und Ei, Croissant ist was für Weicheier. Es hat gemundet, ein DAB zum Frühstück mag nur einer. Café ist halt Café – es gilt die Müdigkeit aus den Knochen zu schütteln.

Nur nicht ins Gras beißen

Um elf Uhr öffnen sich für uns die Tore des Signal Iduna Parks, wie abgemacht. Das Stadion ist gefragte Kulisse für Szenen in Serien, Krimis oder Fotoshootings. Letzteres ist unser Anliegen. Und wir sind ein Verein, der Unschuldige, die zu Opfern wurden, mit seinen Projekten unterstützt. Das hat auch den BVB überzeugt. Deshalb dürfen wir im Wohnzimmer des Vereins ein Zeichen setzen – gegen den Missbrauch von Kindern. Den heiligen Rasen betritt aber nur das Model, gefolgt von Projektleiter Bernd Köhle.

Der nimmt Model Reiner dann, sobald der liegt, den Bademantel ab. Ein menschliches X entsteht. Reiner wird nicht ins Gras beißen, trotzdem ist ihm kalt. Im Stadion herrschen eigene Wettergesetze. Denn ein scharfer und kalter Wind macht nicht nur dem Model zu schaffen: Auch der Fotograf Willfried Adam hat damit zu kämpfen. Sein Arbeitsgerät steht in der Luft, zwölf Meter hoch auf einem hydraulischen Stativ. Normalerweise arbeitet Adam in einem Studio, ab und zu fotografiert er auch Gebäude vor Ort und setzt sie prima in Szene: aus der Vogelperspektive. Für uns schafft er einzigartige Kompositionen mit dem Prädikat künstlerisch wertvoll. Alle Bilder kommen später in einen Kalender – großformatig. Erst so entfalten sie ihre ganz besondere Wirkung auf den Betrachter. Den Kalender muss man erwerben, denn alle Erlöse aus dem Projekt kommen Organisationen zugute, die sich um missbrauchte Kinder kümmern. Damit kann man selbst ein Zeichen setzen.

Bernd Köhle
Fotograf Adam

Ein bisschen Sonne

Regen auf der Fahrt, im Rheintal ein Sonnenaufgang, im Pott trübes Wetter. Doch jetzt kommt Bewegung ins Spiel: Wolken und Löcher in den Wolken ziehen übers Dach. Es ist stürmisch. Nicht ideal. Das Teleskopstativ, noch schwankt es.

Und: Die Wolken müssen sich verziehen, denn das Motiv verlangt Sonne und damit Kontrast. Plötzlich scheint die Sonne. Alle müssen sich beeilen. Viel Zeit bleibt nicht, zwei Minuten werden es, das Foto ist im Kasten. Es kommen die Wolken wieder, später der Regen.

Kurz rüber

Fußball lebt von Emotionen, von Fans, vom Spiel, Toren und Derbys. Nach dem Shooting müssen wir zurück und machen einen Abstecher. Dort steht Ausfahrt Bochumer Stadion, später landen wir in Gelsenkirchen.

Die Arena auf Schalke wollte sich unser Webmaster anschauen. Auch die Sonne scheint wieder. Die auf Schalke haben ja nicht mal einen Rasen, denken wir. Nun, der wird nach dem Spiel aus dem Stadion gefahren. Uns hat Dortmund sehr gefallen, vielleicht werden wir ja mal wiederkommen, so wie es sich gehört als Schwabe, mit dem VfB.

Bildkontrolle
Erinnerungsfoto

Glücklich und Heim

Nach dem Abstecher quer durch den Ruhrpott geht’s heim – vorbei an Siegen, Giessen. An der Raststätte kündigen sich die Vorboten des Freitagabendspiels an. Rote Trikots treffen auf Schwarz-Gelbe, um halb neun ist Anpfiff. Es wird langsam dunkel. Als wir das Equipment des Fotografen auspacken, läuft das Spiel in Frankfurt noch. 1:1 wir es ausgehen. Wir sind müde, aber glücklich. Ein weiteres Shooting ist im Kasten - auf dem Weg zur Realisation unseres Kalenderprojektes.

Bald hoch hinaus

Von Dortmund auf die Zugspitze: Bald geht’s auf den höchsten Berg Deutschlands – mit Pistenbullys. Sonnenbrille nicht vergessen und es könnte kalt werden. Aber das macht nichts. Wir werden weder ins Gras noch in den Schnee beißen.

Text: Tulga | Fotos: Bächle